Velo-Challenge 2014

Der Tag fing ziemlich bescheiden an. Es regnete Bindfäden und die Wettervorhersage ließ auch nichts Gutes erahnen. Am Maschsee angekommen, war ich eigentlich schon recht nass und es sah so aus, als ob die 116 Kilometer wieder einmal keine spaßige Angelegenheit werden sollte.

Meine Rennziele
Angesichts des Wetters war es natürlich wieder das oberste Ziel, unbeschadet in Hannover anzukommen. Auch wollte ich mich zeitlich verbessern und im Gegensatz zum letzten Jahr etwas intelligenter fahren, sprich den Windschatten anderer auszunutzen anstatt immer als Einzelkämpfer irgendwo zwischen den Gruppen zu fahren. Um es vorweg zu nehmen, es hat alles geklappt.

Der Start
Im Gegensatz zu meiner letztjährigen Teilnahme an der Velo-Challenge, war ich diesmal im Team unterwegs. Im Frühjahr haben wir die Equipe Wedemark beim Mellendorfer TV gegründet und haben seitdem einige gemeinsame sonntägliche Trainingsfahrten absolviert. Als Team Equipe Wedemark angetreten sind Dirk, Frank, Michael, Olaf und ich. Zusätzlich hatten wir bei der 67 Kilometerrunde noch drei Fahrer dabei.

Apropos angetreten. Bei der diesjährigen Velo-Challenge haben sich viele Teilnehmer im letzten Augenblick wohl wetterbedingt umentschieden und sind doch nicht angetreten. Zumindest war das Feld deutlich leerer als im letzten Jahr. Auch scheinen die Anmeldezahlen deutlich geringer gewesen zu sein als davor, als die Velo-Challenge als GCC-Rennen lief. Statt fünf Startblöcken gab es nur vier und auch die waren nur sehr übersichtlich gefüllt. Am Ende sollten die 116 Kilometer nur 535 Fahrer und ganze sechs Fahrerinnen absolviert haben (Vorjahr: 1065 Männer/66 Frauen)

Der Start verlief bei feinstem Mistwetter sehr reibungslos. Im Gegensatz zum letzten Jahr hat uns nicht gleich ein Rettungswagen überholt. Überhaupt habe ich auf der ganzen Strecke weder Rettungsfahrzeuge im Einsatz noch sonst irgendwelche Stürze oder deren Folgen gesehen.

Unterwegs
Im Hannoveraner Regen ging es am Maschsee Richtung Süden und das Feld musste sich erst einmal sortieren. Nach einer 90-Grad-Kurve, wo ich eigentlich die ersten Stürze vermutete, ging es nach Hemmingen und Wilkenburg. Es folgten Harkenbleck, Pattensen, Hüpede, Gestorf und Eldagsen. Das Wetter war nach wie vor ziemlich mistig, aber der Regen hatte nachgelassen und die größte Sauerei kam eigentlich eher von unten – die Gischt des Vordermanns. Bis dahin konnte ich recht gut mit meiner Gruppe mitfahren, auch wenn mir das Tempo auf Dauer zu hoch war. Das sollte sich aber schlagartig reduzieren (zumindest mein Tempo).

Die erste Steigung
Es folgte die erste größere Steigung – der kleine Deister. Im Vergleich zu 2013 ging es diesmal etwas flotter. Ich bin zwar immer noch keine Bergziege und habe dort auch etwas den Anschluss verloren, war oben aber bei Weitem nicht so erschöpft wie im letzten Jahr. Freundlicherweise hat es Dirk oben etwas langsamer angehen lassen und mich wieder rangeführt. Kurz darauf haben wir auch Olaf wieder eingeholt, der auch gewartet hatte. Im Gruppenrahmen ging es dann weiter über Coppenbrügge Richtung Bad Münder.

Pffft! – Eine Reifenpanne kostet Zeit
Kurz vor Hachmühlen, ich war immer noch in meiner Gruppe unterwegs, gab es eine kleine Abfahrt mit anschließendem kurzen Anstieg. Bei dieser Abfahrt habe ich ordentlich beschleunigt und bin kurzfristig meiner Gruppe davongefahren, um mich am Anstieg wieder einfangen zu lassen. Vermutlich haben die hinteren Leute gedacht, dass dieser Ausreißversuch wohl nix gewesen sei. Ich musste einfach den Schwung nutzen, um die Steigung etwas einfacher nehmen zu können. Kurz darauf haben einige vermutlich gelacht.

Nach knapp 48 Kilometern bzw. 1 Stunde 21 Minuten verlor verlor mein Hinterrad mit einem lang gezogenen „Pffft“ Luft und ich durfte erst einmal den Schlauch wechseln, was mich insgesamt knapp acht Minuten gekostet hat. Während ich mit der Reparatur beschäftigt war, fuhr mein Teamkamerad Michael, der einige Minuten hinter mir war, an mir vorbei und hatte noch einen Spruch für mich übrig, wieso ich denn schon wieder am Reifenflicken wäre. Mich hatte es vor einiger Zeit schon einmal im Training erwischt. Fatalerweise habe ich es mit meiner Pumpe nicht geschafft, einen ordentlichen Reifendruck zu erzeugen. Zu Hause habe ich nachgemessen. Ich bin das restliche Rennen mit 2,5 bar auf dem Hinterrad gefahren. Das hatte natürlich vermehrte Anstrengungen zur Folge. Außerdem musste ich in den Kurven aufpassen, da der Mantel seitlich abrollte oder mir zumindest das Gefühl davon gab.

Kurz nach dem ich wieder auf’s Rad gestiegen bin konnte ich mich einer Gruppe anschließen. Bei der konnte ich leider nicht lange bleiben, da sich meine Oberschenkelmuskulatur meldete und mir bedeutete, ich solle mich mal etwas zurück halten. Es war noch kein Krampf, aber knapp davor. Dieser Zustand hielt dann auch bis ins Ziel an, wobei es Phasen gab, in denen ich nichts davon merkte.

Der Nienstedter Pass
Aus südlicher Richtung ist der Nienstedter Pass eigentlich gar nicht so schlimm. Das Unangenehmste dabei ist die Fahrt nach Nienstedt selbst, bevor es danach gerade mal 800 Meter durch den Wald auf den Pass selbst geht. Auch diesmal ging es mit meiner Geschwindigkeit deutlich nach unten und ich bin zeitlich nur geringfügig schneller gewesen als im letzten Jahr. Dafür war ich aber oben angekommen deutlich ausgeruhter und entspannter als im Vorjahr. Aber auch diesmal war natürlich die Abfahrt das Highlight. Mein Tacho zeigte zwischenzeitlich über 69 km/h an. Meine Pulsuhr maß immerhin noch 66,5 km/h. In den Kurven bin ich natürlich wesentlich vorsichtiger unterwegs gewesen. Zum einen war die Strecke noch nicht trocken, zum anderen hatte ich ja noch das Problem mit dem Hinterrad.

In Egestorf war glücklicherweise die Bahnschranke oben, so dass ich dort keine zusätzlichen Zeitverluste hinnehmen musste.

Zurück nach Hannover
Nach dem Nienstedter Pass habe ich mich einer Gruppe angeschlossen, bin in einer der vorderen Positionen mitgeschwommen und habe gelegentlich das Tempo hoch gehalten. Unterwegs haben wir dann auch Michael wieder überholt, der über Magenkrämpfe klagte. Nach dem letzten Verpflegungspunkt auf der Strecke auf dem Gehrdener Berg ging es über Ronnenberg, Weetzen Richtung Pattensen und von dort wieder zurück nach Hannover.

Im Ziel
Beim Einbiegen auf die Schützenallee, also der verlängerten Zielgeraden, überholte mich dann aus heiterem Himmel Michael noch einmal, mit dem ich dann gemeinsam durch’s Ziel gefahren bin. Im Ziel selber wurden wir glücklicherweise nicht gleich von den Transpondereinsammlern überfallen. Das fand ich im letzten Jahr ziemlich unangenehm, weil meine Beine in dem Moment noch gar nicht auf das Stehen vorbereitet waren. Diesmal war das aber kein Problem. Meine Beine waren halbwegs okay und die Transpondereinsammler kamen erst deutlich nach der Ziellinie. Geschafft! Genau rechtzeitig kam auch noch die Sonne endlich raus.

Das Ergebnis
Mit einer Fahrzeit von 3:37:07 war ich über 20 Minuten schneller als 2013, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 32,06 km/h entspricht. Das lag zum einen am diesmal fehlenden Wind, der mir aber nicht wirklich gefehlt hat. Zum anderen hatte ich deutlich mehr Trainingskilometer auf dem Buckel und das Fahrrad war besser auf mich eingestellt. Wenn die Bedingungen stimmen, dürfte im nächsten Jahr noch deutlich Luft nach oben sein, da ich ja auch viel Zeit durch den Reifenwechsel verloren habe. Am Ende lag ich auf Platz 392 von 535. Im Verhältnis ist dies deutlich besser als im letzten Jahr. Ich bin auf jeden Fall sehr zufrieden damit.

Was gibt es sonst noch zu sagen?
Wie im letzten Jahr auch war die Stimmung südlich des Deisters deutlich besser als nördlich davon. Dies mag zum einen am Wetter gelegen haben, zum anderen waren die Zuschauer vielleicht auch einfach nur gerade beim Mittagsessen als ich vorbei fuhr. Seitens der Streckenabsperrungen konnte man nicht meckern. Es waren wieder viele Helfer im Einsatz, die dafür gesorgt haben, dass uns nicht irgendwo Autos auf der Strecke das Leben schwer machten.

Bei den Verpflegungsstationen gab es wie im letzten Jahr Wasser und Bananen. Auch diesmal habe ich Flaschen mit geschlossenem Verschluss bekommen. Das ist etwas unpraktisch. Schließlich geht’s ja immer gleich in die nächste Abfahrt und man sollte da doch besser mindestens eine Hand am Lenker haben. Und mit den Zähnen die Flasche aufdrehen ist etwas mühsam. Immerhin habe ich in diesem Jahr überall fein säuberlich halbierte Bananen bekommen und nicht eine geschlossene ganze.

Was kann der Veranstalter verbessern?
Zum einen sollten die Helfer an den Verpflegungsstationen angewiesen werden, dass die Verschlüsse der Wasserflaschen leicht geöffnet übergeben werden sollten. Das würde den Fahrern sicherlich das Trinken erleichtern. Zum anderen könnte der Veranstalter sich mal etwas für die Fahrer im Zielbereich einfallen lassen. Ein Blick auf die Göttinger Tour d’Energie würde reichen. Dort gibt es für weniger Startgeld im Anschluss noch Nudeln und Hefeweizen für alle Teilnehmer. Vorab gab’s auch noch ein Frühstück. Da wirkt die Veranstaltung in Hannnover doch reichlich lieblos gegen. Auch die Beilagen im Starterpack waren in Göttingen deutlich üppiger. Auch wäre es schön, wenn zumindest an den Verpflegungsstationen vernünftige Luftpumpen zur Verfügung stehen würden.

Trotzdem werde ich im nächsten Jahr wieder teilnehmen. Schließlich ist es das Heimatrennen.

Hier wieder ein paar Randdaten meiner Pulsuhr.

Ein Gedanke zu „Velo-Challenge 2014“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.