Tour d’Energie 2014 in Göttingen

Um mich auf die Velo-Challenge in Hannover in diesem Jahr vorzubereiten, habe ich mich auch für die Tour d’Energie in Göttingen angemeldet und bin bei dieser heute die 100 Kilometer-Strecke gefahren. Vom Streckenprofil waren deutlich mehr Höhenmeter als bei der Velo-Challenge zu bewältigen. Ich bin alles andere als eine Bergziege und hoffe, dass mir das bei der Bewältigung des Nienstedter Passes in diesem Jahr hilft. Mit dabei waren von der Equipe Wedemark auch Dirk und Michael, die zum Schluss beide deutlich vor mir liegen sollten. Ein paar Tage vor dem Rennen war ich skeptisch, ob ich überhaupt durchhalten würde, da ich starke Rückenschmerzen hatte, die sich erst einen Tag vor dem Rennen besserten, aber noch nicht komplett verschwunden waren. Ich ermute mal, dass da sich ein Nerv irgendwie eingeklemmt hatte.

Ziele für das Rennen
Meine Ziele für die Tour waren natürlich in erster Linie heile anzukommen. Es gibt bei Youtube ein Video, auf dem zu sehen ist, wie in einer bestimmten Kurve viele Leute den Abflug vom Hohen Hagen machen. Da ich die Strecke nicht kenne und wie gesagt meine Probleme mit Bergen habe, habe ich mir eine Zielzeit von unter vier Stunden vorgenommen, was genauso geklappt hat, wie nicht letzter zu werden.

Die Anreise
Die Anreise war auf jeden Fall schon mal größtenteils sehr entspannt. Die Autobahn war frei und von den paar Leuten, die unterwegs waren, hatten viele Räder im Kofferraum oder auf dem Heckträger und waren wohl auch nach Göttingen unterwegs. Bei knapp 3.500 angemeldeten Teilnehmern ist das nicht ganz unwahrscheinlich. Kurz vor Göttingen gab es doch noch einen kleinen Aufreger, als ein Reh auf die Autobahn lief und ich gerade die Spur gewechselt habe, um ein anderes Auto zu überholen, das plötzlich stark abbremste. Kurz danach erblickte auch ich das Reh und bremste. Es wechselte auf die linke Spur, hat sich aber dort nicht wohlgefühlt und machte Anstalten, wieder zurück zu laufen. Da war ich aber schon auf seiner Höhe, so dass es sich das glücklicherweise noch einmal überlegte. Der nachfolgende Verkehr hatte auch schon abgebremst und das Reh konnte nach mir die Autobahn wieder verlassen. Glück gehabt!

Frühstück und Start
In Göttingen selbst gab es neben einem schönen großen Parkplatz nach der Abholung der Startunterlagen erst einmal ein Frühstück, das im Preis inbegriffen inbegriffen. Sehr gute Idee, schließlich mussten einige sehr früh los, um nach Göttingen zu fahren. Nach dem Frühstück konnte man sich ganz entspannt umziehen und Richtung Startaufstellung fahren. Mit etwas Verspätung ging es dann auch irgendwann auf die Strecke, die einigermaßen trocken war. Die Zeitmessung sollte erst nach etwa 3 Kilometern starten, so dass man ganz entspannt hätte einrollen können. Unser Startblock (und vermutlich die anderen auch) hat aber gleich ordentlich Dampf gemacht und ein für mein Empfinden viel zu hohes Tempo gemacht. Ich wusste, dass sich das irgendwann rächen würde, habe aber mitgemacht, weil es halt auch jede Menge Spaß macht und man natürlich möglichst in einer Gruppe bleiben möchte. Irgendwann war aber bei mir die Luft raus und ich habe mein Tempo etwas reduziert. Dabei war ich aber zum Glück nicht alleine.

Das Wetter wurde nicht besser und die Anstiege kamen
Leider sollte das Wetter nicht trocken bleiben. Irgendwann fing es an zu nieseln, später gab es auch einige Regentropfen, so dass die Strecke in manchen Abschnitten recht nass war. Das führte dazu, dass ich den ersten größeren Anstieg (vorher gab es auch Anstiege, die aber eher moderat waren) in einer Niesel-Nebel-Mischung in Angriff nehmen durfte. Das ist jetzt nicht unbedingt eine zusätzliche Motivation. Der Anstieg zog sich über fünf Kilometer und bot 270 zu überwindene Höhenmeter, was ich ziemlich knackig fand. Das konnte ich dann auch an meinem Tacho ablesen, der immer weiter in den Keller ging. Aber irgendwann war auch das geschafft und nach einer Pause an der Verpflegungsstation ging’s auf die Abfahrt, die ich gerne mal bei trockenen Bedingungen fahren würde. Leider war es nass und ich bin in einer Kurve ganz leicht ins Rutschen gekommen und wurde Richtung Kurvenäußeres getrieben. Zum Glück konnte ich das leicht abfangen, habe danach aber lieber nichts riskiert und war die meiste Zeit am Bremsen. Andere Fahrer waren da deutlich risikobereiter und sind an mir vorbeigeschossen. Die scheinen glücklicherweise alle heile unten angekommen zu sein. Zumindest lag niemand irgendwo im Wald.

Der Anstieg zum Hohen Hagen
Der Hohe Hagen brachte noch mehr Höhenmeter, diese aber auf einer längeren Strecke. Trotzdem setzte er mir ordentlich zu. Das lag vor am Schlussanstieg. Ich weiß nicht mehr, welcher Ort es war, aber ich war recht erschöpft, als ich durch ein Radrenntorbogen fuhr, welcher mit „Bergsprint“ beschriftet war. Wie, was? Habt Ihr ’ne Macke? Die Tachoanzeige näherte sich bedrohlich dem Schritttempo und die Oberschenkel brannten. Trotzdem habe ich es unter großen Mühen bis hinauf geschafft, wo die nächste Verpflegungsstation wartete. Gebraucht habe ich für den Bergsprint – das Wort Sprint passt hier in meinem Fall überhaupt nicht – 14:14 Minuten. Zum Vergleich, der schnellste war nach 6 Minuten oben, der langsamste hat über 22 Minuten gebraucht. In der Bergwertung gab das dann einen achtbaren 1574. Platz … von 1673 in der 100 Kilometer-Männerwertung.

Zurück nach Göttingen
Nach der Abfahrt vom Hohen Hagen ging’s dann größtenteils flach über etwas mehr als 20 Kilometer Richtung Göttingen. Auf der Abfahrt konnte ich mich gut erholen, so dass – wie bereits bei der letztjährigen Velo-Challenge – meine recht gute Kondition wieder zum Tragen kam und ich viele vor mir Fahrende noch einsammeln konnte. Ich liebe das, wenn ich vor mir jemanden sehe, ranzufahren und zu überholen.

Das Publikum
Was beeindruckend war, war das Publikum. In jedem Ort standen viele Leute an der Straße und haben mehr oder wenige alle Fahrer angefeuert, selbst den 1.593. Fahrer, der vorbei kam. In manchen Orten standen die Leute an der Strasse verteilt, so dass es permanent Anfeuerungsrufe gab. In anderen Orten war erst einmal nichts los, so dass ich dachte, die wären alle beim Mittagessen oder schon beim Kaffee & Kuchen. Nichts da, die haben sich alle an zentraler Stelle im Ort getroffen und haben dort richtig Stimmung gemacht. Klasse!

Was ich auch sehr gut fand, waren die Straßenbeschriftungen während der Bergwertung. Da kam fast Tour de France-Feeling auf. Und bei meiner Fahrt nach oben hatte ich ja genug Zeit, mir das durchzulesen. Besonder gut fand ich den Spruch „Geht doch!“, der prompt kam, als ich mit dem Gedanken spielte, das Rad nach oben zu schieben.

Eine weitere Stelle ist mir auch noch im Gedächtnis geblieben. Bei der einen Straßensperre während eines Anstiegs, der mich wieder ordentlich Kraft gekostet hat, hatte der Typ von der Feuerwehr sein Auto dort stehen und Musik laufen: Atemlos von Helene Fischer. Auf dem Heimweg habe ich Dirk davon erzählt, der mir dann sagte, dass das Lied auch kam, als er dort vorbei fuhr (knapp 25 Minuten vor mir). Fies, aber ganz nach meinem Geschmack.

Die Organisation
Die Organisation der Veranstaltung war durchweg gelungen. So weit ich sehen konnte, gab es keinerlei Probleme. Okay, die Schlange beim Frühstück war irgendwann ziemlich lang, aber die Leute die dort drin standen, kamen auch sehr spät. Ansonsten konnte ich echt nicht meckern. Toiletten waren jede Menge vorhanden, die Ausschilderung der Strecke war geradezu vorbildlich. Der Bereich um die oben genannte Kurve war neben einem extra großen, roten Warnhinweis zusätzlich noch mit Strohballen abgesichert. Da sollten auch beim letzten die Alarmglocken läuten. Direkt hinter der Kurve haben sich dann auch einige Fotografen postiert, die wohl auf den einen oder anderen Abflug spekuliert haben. Die beiden VErpflegungsstationen waren auch deutlich vorher durch mehrere Schilder angekündigt und hatten mehrere Getränke und die obligatorischen Bananen im Angebot. Schade fand ich, dass man dafür anhalten musste, so dass sich schnell ein Pulk vor den Tischen bildete. Besser wäre es aus meiner Sicht, wenn Getränke und Bananen durch Helfer den Fahrern, die gerne weiterfahren würden, angereicht werden würden und man optional anhalten könnte. An den beiden Stellen wäre die aber aus Platzgründen nicht möglich gewesen. Die Absperrung der Strecke durch die Polizei, die freiwilligen Feuerwehren und anderen Helfern war auch vorbildlich. Ich habe keinen Weg gesehen, der nicht abgesperrt gewesen wäre und wenn es nur durch einen riesigen Heuballen gewesen ist. Ein weiteres Lob haben natürlich die Rettungskräfte verdient, die den einen oder anderen Einsatz hatten (ich habe alleine drei gezählt, es mögen aber etwas mehr gewesen sein). Zu guter Letzt möchte ich auch noch den Service während des Rennens erwähnen, was ich auch eine coole Idee finde. Es gab reichlich Pannen mit platten Reifen und die Servicefahrzeuge waren gut damit beschäftigt, dort zu unterstützen. Und sei es nur durch eine vernünftige Standpumpe.

Im Ziel
Mit einer Zeit von 3:34:44 kam ich in der 100 Kilometer-Männerwertung als 1481. von 1666 mit einem Rückstand von 1:07:25 auf den Erstplatzierten im Ziel an. Im Grunde genommen ist es egal, auf welchem Platz ich mit welcher Zeit gelandet bin. Dies war meine erste Tour d’Energie und ich habe jetzt einen Referenzwert, den es zu verbessern gilt.

Natürlich gab es im Zielbereich auch den ganzen Tag Programm für die Zuschauer. Leider bekommt man davon als Rennteilnehmer ja nichts mit. Was man hinterher aber mitbekommen hat, war die Pasta-Party, bei der sich jeder Teilnehmer einen ordentlichen Schlag Nudeln holen konnte, die vom THW ausgegeben wurden. Direkt nebenan gab es auch für jeden ein alkoholfreies Hefeweizen. So konnte man die leeren Akkus gleich mal wieder ein wenig auffüllen. Beides war übrigens auch im Preis inbegriffen. Hallo Velo-Challenge, hört Ihr mich? Nehmt diese Idee doch mal auf.

Und nächstes Jahr?
Im nächsten Jahr bin ich hoffentlich auch wieder dabei. Es hat mir trotz der Berge viel Spaß gemacht und ich habe ja jetzt eine Zeit, die ich verbessern kann.

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