It’s good to be evil – Dungeon Keeper für Android

1997 erschien eines meiner Lieblingsspiele – Dungeon Keeper. In dem Spiel nimmt der Spieler unüblicherweise die Rolle des Bösen ein und muss ein möglichst attraktives Dungeon erstellen, um viele und starke Monster anzuziehen, die es dann gegen einfallende Helden verteidigen. Nur zwei Jahre später folgte Dungeon Keeper 2, welches ich auch total gerne gespielt habe.

Heute habe ich in einem Golem.de-Artikel gelesen, dass EA Dungeon Keeper für Android und iOS als Free-to-play veröffentlicht hat.

Dem Artikel als auch den Bewertungen im Play-Store zur Folge empfinden viele Spieler die zwingend notwendige Internetverbindung ab. Auch scheint man nach relativ kurzer Zeit nicht an In-App-Käufen vorbei zu kommen, da sonst einige Spielaktionen ziemlich viel Zeit in Anspruch nehmen, was man durch entsprechendes Kleingeld abkürzen können soll.

Ich schreibe das absichtlich im Konjunktiv, weil ich mir leider kein richtiges Bild davon machen konnte. Das Spiel erfordert  tatsächlich eine dauerhafte Internetverbindung. Das ist natürlich unpraktisch, wenn man es gerne im Zug spielen möchte, wo diese nicht durchgehend vorhanden ist.

Bevor es losging, fing es gleich an zu nerven. Es wollte meine Google+-Kontodaten und die Daten meiner Google+-Kreise in Erfahrung bringen. Ob man das komplett verhindern kann, weiß ich leider nicht. Aber man kann bei den beiden Punkten jede Menge Häkchen entfernen.

Danach ging’s auch gleich mit einem Tutorial-Level los. Eigentlich ist das ja ganz okay, nur fand ich es hier sehr störend, dass ich dauernd gezwungen war, eine bestimmte Stelle anzuklicken. Man konnte sich nicht mal in Ruhe umsehen und vielleicht auf eigene Faust herausfinden, was zu tun ist. Na ja, nachdem der Tutorial-Level abgehakt war, wurden die Nutzungsbedingungen eingeblendet. An dieser Stelle habe ich abgebrochen. Ein paar kleine Auszüge gefällig?

Wir behalten uns vor, diesen Vertrag jederzeit abzuändern, deshalb lesen Sie sie bitte regelmäßig nach.

Geht’s noch? Wenn ich nicht jedesmal die Nutzungsbedingungen nachlese, kann mir EA also sonst welche Klauseln unterschieben. Glücklicherweise dürfte das in Deutschland eh ungültig sein, da es sich in einem solchen Fall nur um eine einseitige Willenserklärung handelt. Aber alleine die Tatsache, dass sie es versuchen, vermiest mir schon die Stimmung. Aber es kommt noch schöner.

Um die Unterstützung, Entwicklung und Verbesserung des Produktes sowie weitere Dienstleistungen für Sie zu ermöglichen, willigen Sie ein, dass EA und bestimmte Drittparteien, die in Anhang A aufgeführt werden, Cookies, Web-Beacons und andere Analysetechniken verwenden dürfen, um technische und damit zusammenhängende Informationen in Bezug auf Ihr Mobilgerät, … Ortsinformationen, Hersteller und Modell Ihres Gerätes, Ihr Betriebssystem, Ihre Software und Anwendungen, einschließlich Anwendungsnutzungsdaten zu sammeln, zu verwenden, zu speichern und zu übertragen. Außerdem dürfen EA und/oder Drittparteien Spieldaten, Drittkonten-Autorisierungsdaten, … sammeln, speichern, benutzen und übertragen.

Das klingt ja schon nach einer Schnüffelei in nicht ganz unerheblichem Ausmaß. Aber es geht ja noch weiter.

Von Drittparteien gesammelte Daten werden im Rahmen der Datenschutzrichtlinien der Drittparteien gesammelt, benutzt, gespeichert, übertragen und offengelegt.

Also soll sich der geneigte Spieler auch noch die Datenschutzrichtlinien der Drittparteien durchlesen? Die sind in einem Anhang aufgelistet. Aber wir wissen ja, dass sich EA offen hält, den Vertrag jederzeit zu ändern. Also kann die Liste sich natürlich auch beliebig verlängern. Aktuell enthält der Anhang 61 Drittparteien im Bereich „mobile Werbung“ sowie 14 im Bereich „mobile Analystics“.

Ich gebe zu, ich habe mir nicht die kompletten Nutzungsbedingungen durchgelesen und einen großen Teil auch erst jetzt beim Schreiben dieses Artikels. Mir ist schon beim kurzen Überfliegen die Lust auf das Spiel vergangen. Das Spiel habe ich gleich wieder deinstalliert. Schade, ich hatte mich schon gefreut. Unter anderen Bedingungen wäre ich bereit gewesen, einige Euro zu investieren. Aber so? Nein danke. Da hat EA wohl den alten Dungeon Keeper-Slogan „It’s good to be evil“ falsch verstanden.

Glücklicherweise gibt es gog.com, wo Dungeon Keeper bzw. Dungeon Keeper 2 für kleines Geld zu haben sind. Gelegentlich gibt es dort ja auch noch ganz passable Preisnachlässe, bei denen ich mir die beiden Teile vor einiger Zeit schon ergattert habe.

 Nachtrag

Eine weitere Meinung zu dem Spiel, die einen anderen misslungenen Aspekt aufgreift und sehr deutlich veranschaulicht, gibt es hier.

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