Insektenhotel

Kurz vor Weihnachten hat sich meine Idee für ein Weihnachtsgeschenk für meine Freundin erledigt. Aber ich wusste, dass Sie sich schon lange ein Insektenhotel wünscht. Nun, da gibt’s ja entsprechende im Baumarkt, aber eigentlich ist’s ja selbst gemacht viel persönlicher.

Ihrer Schwester hatte sie gesagt, dass sie auf einer Messe ein ganz bestimmtes im Auge hat – natürlich, ohne genau benennen zu können, welcher Hersteller, Modell oder sonst irgendwas, was helfen könnte. Aber ihre Schwester hat von einer Freundin gehört, dass es ganz tolle Insektenhotels auf dem Weihnachsmarkt geben soll. Also habe ich in Hannover den Weihnachtsmarkt abgeklappert, habe aber nur das Standard-Baumarktmodell für ungefähr den doppelten Preis gefunden. Also war das schon mal ein Schlag ins Wasser.

Zu Hause habe ich mich dann an den Rechner gesetzt und Googles Bildersuche genutzt. Dabei wurde ich auch tatsächlich fündig und wusste auch sofort, dass es ein solches sein muss. Von der Art haben wir auch ein Vogelhaus im Garten, dass sie total super findet. Das gute dabei ist, dass es ruhig krumm und schief hätte werden können. Das ist dabei ein Stilelement.

Na dann kann’s ja losgehen. Es sollte sich herausstellen, dass es ein Weihnachtsgeschenk auf den letzten Drücker werden sollte.

Erstellen der Bauteile

Im Grund genommen ist ein Insektenhotel auch nur ein Kasten mit mehreren Etagen und Eingängen. Also habe ich erst einmal ein paar Brettchen mit der Tischkreissäge gesägt.

Nachdem alle Bauteile fertig waren, habe ich mir eine mehr oder weniger schwungvolle Gestaltung der Vorder- und Rückseite überlegt. Damit diese deckungsgleich ist, habe ich beide übereinander mit Zwingen befestigt und mit der Stichsäge ausgesägt.

Für das Dach habe ich mit der Dremel Moto-Saw Schindeln angedeutet, da ich mit dieser gegenüber der Stichsäge bei Rundungen wesentlich mehr Kontrolle über das Werkstück habe. Nur als der Schnitt durch ein Astloch ging musste die Stichsäge kurz ran. Da war die Moto-Saw dann doch etwas schwach auf der Brust.

Die beiden Dachelemente wurden auf Gehrung gesägt und zum Schluss alles noch geschliffen.

Zusammenbau mit Hindernissen

Toll wäre es gewesen, wenn alles auf Anhieb geklappt hätte. Aber das sollte auch diesmal nicht sein. Die beiden Dachelemente wollte ich mit Flachdübeln verbinden. Den richtigen Winkel hatte ich an der Flachdüberfräse auch eingestellt, aber vergessen, die Tiefe entsprechend anzupassen. Dadurch habe ich erst einmal schön durch das Dach gefräst.

Die Korrektur war aber denkbar einfach. Nachdem ich die Fräsungen an der richtigen Stelle hatte, habe ich einfach in die offene Fräsung einen Flachdübel geleimt, den überstehenden Teil abgesägt und alles schön glatt geschliffen. Nachdem später eh Farbe drüber kommt, fällt das zum einen gar nicht auf, zum anderen ist es den späteren Bewohnern eh egal.

Sämtliche anderen Verbindungen habe ich ebenfalls mit Flachdübeln vorgenommen, diesmal aber besser aufgepasst. Ausnahme dabei ist die Rückwand, bei der ich eine Verschraubung gewählt habe, damit man den Kasten später noch mal öffnen kann, um die Einrichtung des Insektenhotels ggf. später zu erneuern oder zu verändern.

Unter dem Dach sollte Sägespäne für die Insekten bereit liegen. Diese fällt beim Bohren der Zugänge für die Insekten zu den einzelnen Bereichen eh an – also gut aufheben. Damit diese nicht rausrieselt, habe ich kurzerhand ein paar Nägel um das Zugangsloch im Giebel  von der Innenseite eingeschlagen und mit Blumendraht ein Gitter konstruiert.

Dummerweise habe ich dabei wohl eine Holzfaser getroffen. Nachdem ich dann auch noch die Fräsungen für die Verbindung zum Dach vorgenommen hatte, war das ganze dann wohl zu schwach. Beim probeweisen Zusammensetzen ist mir quasi der Giebel abgebrochen.

Aber auch hier gab es eine einfache Lösung. Einfach den Giebel wieder dran leimen und das ganze mit den Flachdübeln, die eh vorgesehen waren, wieder stabilisieren. Das hat wunderbar geklappt.

Jetzt kommt Farbe ins Spiel

Für den Anstrich benutzt ich Acrylfarben (Plaka oder ähnliches). Die lassen sich sehr gut verarbeiten und riechen nicht. Gerade der letzte Punkt ist wichtig. Meine Freundin soll ja nichts von den Arbeiten mitbekommen.

Das Dach wurde komplett rot gestrichen und der Korpus bekam ein knalliges Grün. Die Öffnungen für die Insekten wurden weiß abgesetzt. Danach wurde im unteren Teil mit Dunkelgrün noch eine Wiese angedeutet. Dazu später mehr im Epilog.

Zum Schluss wurde das Ganze noch ordentlich mit Klarlack eingesprüht, um es etwas witterungsbeständiger zu machen. Dummerweise riecht der ziemlich stark und meine Freundin hat doch mitgekriegt, dass ich da irgendwas bastel.

Die Inneneinrichtung des Hotels

Damit sich unsere vielbeinigen Gäste auch wohlfühlen, haben wir – wie bei Insektenhotels üblich – eine abwechslungsreiche Inneneinrichtung gewählt.

Ganz oben unter dem Dach befindet sich die Sägespäne. Darunter kommen mit Blumendraht gebündelte Zweige. Anschließend kommen ein paar Ästchen, die von einer Seite angebohrt wurde. Diese Bohrungen habe ich am Bohrständer vorgenommen, um zu verhindern, dass sich die einzelnen Bohrkanäle verbinden. Außerdem erschien es mir doch zu wackelig, diese von Hand zu bohren. Weihnachten mit verbundenen Händen? Da kriege ich ja die Geschenke gar nicht auf.

Schlussendlich kommt unten noch eine Ladung Tannenzapfen rein. Die Befüllung an sich passierte aber von unten nach oben.

Als krönenden Abschluss habe ich oben noch einen Aluwinkel mit Montagekleber befestigt. Dadurch verspreche ich mir eine längere Haltbarkeit, da so verhindert wird, dass Wasser in die Verleimung des Daches gelangt.

Epilog

Die grosse Herausforderung bei diesem Projekt war, dass meine Freundin nichts davon mitbekommen sollte. Das war deshalb schwierig, weil sie gerade in Elternzeit ist und dadurch sehr häufig zu Hause ist. Bis zum Auftragen des Klarlacks hat das aber sehr gut funktioniert.

Dadurch war mir aber von vornherein klar, dass es zeitlich recht eng werden würde. Wie eng, sollte sich Heiligabend herausstellen. Meine Freundin ist mit ihrer Mutter und unserem Sohn in die Kirche gegangen. In der Zwischenzeit habe ich die komplette Füllung inkl. der Bohrung der Äste und dem Zurechtschneiden der Zweige gemacht und das ganze montiert.

Letztendlich war aber noch genug Zeit übrig und ich konnte noch den Tisch decken und einige andere Vorbereitungen treffen.

Bei der Bescherung kam das Insektenhotel zum Schluss und meine Freundin hat sich riesig darüber gefreut, weil es genauso eines war, wie sie sich gewünscht hat. Erst im zweiten Augenblick hat sie begriffen, dass es selbst gemacht war.

Was kommt noch? Zum einen fehlen noch ein paar Verzierungen (Blumen, Bienen), die ich aus Sperrholz aussägen möchte und aufkleben werde. So soll eine Art Wiesenszene entstehen. Zum anderen habe ich mir sagen lassen, dass es besser wäre, noch mehr Abtrennungen einzuziehen, da es durchaus sein kann, dass sich verschiedene Insekten ggf. im Hotel bekämpfen könnten. Das ist aber kein Problem, da ich ja glücklicherweise die Rückwand lösbar befestigt habe.

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Das Insektenhotel unter dem Weihnachtsbaum

 

3 Gedanken zu „Insektenhotel“

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